Über die Ukrainische Freie Universität in München

Die Ukrainische Freie Universität (UFU) in München ist ein einzigartiges Phänomen. Sie ist die einzige Universität außerhalb der Ukraine, an der der Unterricht auf Ukrainisch stattfindet. Hier werden zukünftige Diplomaten und Meinungsführer ausgebildet. In diesem Artikel erzählen wir über die Geschichte und die Mission dieser Institution. Mehr dazu auf munich1.one.

Geschichte der Universität

Die Ukrainische Freie Universität wurde 1921 in Wien gegründet. Danach begann ihre „Reise“: Im Herbst 1921 zog sie nach Prag um. Gegründet wurde die Universität auf Initiative ukrainischer Professoren im Exil, die Bürger der Österreich-Ungarischen Monarchie oder Russlands waren und nach dem Ersten Weltkrieg emigrierten. Als Urheber der Idee gilt der ukrainische Literaturwissenschaftler und Politiker Oleksandr Kolessa. Unter den Mitbegründern war auch Mychajlo Hruschewskyj.

In Prag erhielt die Universität große finanzielle Unterstützung. Damals lebten dort viele ukrainische Professoren und Studierende, die einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Universität leisteten. Diese Zeit gilt als „goldenes Zeitalter“ der Universitätsgeschichte.

Anfangs hatte die Universität nur zwei Fakultäten:

  • Philosophie- und Rechtswissenschaftliche Fakultät,
  • Fakultät für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Zu den Professoren gehörten namhafte Wissenschaftler wie Dmytro Antonowytsch, Stepan Smal-Stozkyj und Dmytro Doroschenko. In Prag entwickelte die UFU eine aktive wissenschaftliche und pädagogische Arbeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verließen viele Professoren Prag und zogen nach München. Gemeinsam mit ihnen siedelte auch die Universität um. Anfangs war es finanziell sehr schwierig, aber die UFU fand immer Unterstützung. 1947 arbeiteten bereits 80 Professoren an der Universität. Einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der UFU in Deutschland leistete der erste Rektor Vadym Schtscherbakiwskyj.

Die Existenz der Universität war der sowjetischen Regierung ein Dorn im Auge. Stalin selbst interessierte sich für diese Einrichtung und ihre Mitarbeiter. Bis zum Zerfall der Sowjetunion war sie eines der wenigen Zentren der ukrainischen Kultur in der Welt. Ukrainische Wissenschaftler flohen dorthin vor der politischen Verfolgung. In der UFU konnten sie frei unterrichten und studieren, was in der UdSSR unmöglich war. In dieser Zeit lehrten hier Wissenschaftler wie Wolodymyr Derzhawin, Iwan Mirtschuk und Wolodymyr Kubijowytsch.

Das Jahr 1950 war ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte der UFU. Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus erkannte das Recht der Universität an, Doktorgrade zu verleihen.

Nach der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine konnten endlich Kontakte zwischen der UFU und der Ukraine hergestellt werden. Die Universität wurde Partnerin der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine sowie führender ukrainischer Universitäten, was zur Entwicklung der ukrainischen Wissenschaft beitrug.

2008 zog die Universität in ihr neues Gebäude in der Barellistraße um, wo sie sich auch heute befindet. Derzeit studieren dort etwa 700 Studierende, die einen Master- oder Doktortitel erwerben. Die Vorlesungen werden auf Ukrainisch, Deutsch und Englisch gehalten. Studierende können ihre Kurse individuell zusammenstellen. Zu den Lehrenden gehören Wissenschaftler aus der Ukraine, Deutschland, den USA und Kanada.

Mission der Universität

Die Ukrainische Freie Universität ist ein Ort, an dem traditionelle Werte mit modernen Lehrmethoden kombiniert werden. Hier können Studierende eine international anerkannte Qualifikation erwerben, Fremdsprachen lernen und interkulturelle Erfahrungen sammeln.

Die Universität basiert auf den Prinzipien von Freiheit, Verantwortung und Toleranz. Die Studierenden werden ermutigt, kritisches und strategisches Denken zu entwickeln. Die UFU dient als kulturelle Brücke zwischen Deutschland und der Ukraine.

Die Absolventen der UFU sind Experten mit fundiertem Wissen über die Ukraine. Viele von ihnen werden Diplomaten oder Meinungsbildner, die das Bild der Ukraine in der westlichen Welt prägen. Daher spielt diese Universität eine wichtige Rolle in der internationalen Politik der Ukraine.

Trotz der finanziellen Unterstützung durch die Behörden bleibt die Universität autonom und unabhängig. Die Forschung an der UFU ist frei von politischem Einfluss, sei es aus der Ukraine oder Deutschland. Seit ihrer Gründung verteidigt die Universität ihre Prinzipien und Werte.

Wer kann an der UFU studieren?

Die UFU nimmt Studierende mit ausreichenden Kenntnissen der ukrainischen und deutschen Sprache auf.

  • Die Studiengebühr beträgt etwa 600 € pro Semester.
  • Die Universität hat derzeit drei Fakultäten:
    • Fakultät für politische und wirtschaftliche Wissenschaften,
    • Fakultät für Ukrainistik,
    • Philosophische Fakultät.

Die Universitätsbibliothek

Die Bibliothek der UFU umfasst über 30.000 Bücher und Zeitschriften.

1991 wurde sie als wichtigste Quelle für Ukrainistik im deutschsprachigen Raum anerkannt.

Die Sammlung repräsentiert verschiedene Bereiche der ukrainischen Kultur und Wissenschaft.

Besonders bemerkenswert ist die Sammlung von Zeitschriften und Zeitungen aus Konzentrationslagern, in denen viele Ukrainer interniert waren.

Die Bibliothek wird kontinuierlich erweitert, ist aber nur für interne Nutzung durch die Studierenden der Universität zugänglich.

Fazit

Die Ukrainische Freie Universität ist ein einzigartiger Bildungsort mit einer faszinierenden Geschichte und einer bedeutenden Mission.

Die UFU ist ein Zentrum der ukrainischen Kultur und Bildung in der bayerischen Hauptstadt.

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