Geschichte der renommierten Otto-Falkenberg-Schule für Schauspielkunst

Die Otto-Falckenberg-Schule für Darstellende Kunst – das klingt wie der Name einer renommierten Bildungseinrichtung aus dem Herzen Berlins, doch in Wirklichkeit ist sie ein Teil Münchens, in dem seit Jahren eine neue Generation von Theaterschaffenden ausgebildet wird. Sie ist keine beliebte Touristenattraktion und taucht selten auf den Plakaten für die breite Öffentlichkeit auf, aber wer sich für die Bühne interessiert, kennt sie genau. Hier begannen viele bekannte deutsche Schauspieler, Regisseure und Theater-Experimentatoren ihre Karriere. Dies ist nicht nur eine Schule, in der man lernt, von der Bühne aus zu sprechen oder sich richtig zu bewegen. Es ist ein Ort, an dem junge Künstler lernen, ehrlich zu sein – vor dem Publikum und vor sich selbst. In diesem Artikel erzählen wir, was diese Schule so besonders macht, wie das Studium abläuft, wer ihre Dozenten und Absolventen sind und warum sie als eine der besten in Deutschland gilt. Mehr dazu auf munich1.one.

Geschichte und Bildungskonzept

Blickt man auf die Landkarte des Münchner Theaterlebens nach dem Zweiten Weltkrieg, so ist die Otto-Falckenberg-Schule einer der ersten Punkte, der ins Auge sticht. Diese Schule wurde 1946 unter der Schirmherrschaft der Münchner Kammerspiele gegründet, als die Kultur sich gerade erst von den Zerstörungen zu erholen begann. Ihre Gründung war keine Formalität, sondern ein gezielter Schritt, um die lebendige Kunst in die Stadt zurückzubringen und einer neuen Generation von Schauspielern und Regisseuren die Chance zu geben, an einer professionellen Bühne heranzuwachsen. Zwei Jahre nach ihrer Eröffnung erhielt die Schule den Namen Otto Falckenbergs – eines Regisseurs, Dramatikers und Leiters der Münchner Kammerspiele, der zu Recht als eine der Schlüsselfiguren des deutschen Theaters der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gilt.

Alles begann mit einem kurzen Programm – zwei Jahre intensiven Studiums. Doch mit der Zeit stiegen die Anforderungen an den Beruf, sodass der Lehrplan geändert werden musste. 1969 wurde das Programm auf drei Jahre erweitert, und seit 1982 studieren die Studenten hier ganze vier Jahre. Und während dieser ganzen Zeit blieb die Schule unabhängig vom akademischen System im klassischen Sinne: Hier werden keine universitären Diplome verliehen, aber es werden Menschen ausgebildet, die in der deutschen Theaterszene bekannt sind.

Die Einrichtung selbst ist nicht isoliert, sondern organisch in das künstlerische Umfeld eingebettet. Sie arbeitet eng mit den Kammerspielen zusammen – einem der bekanntesten städtischen Theater Deutschlands, was den Studierenden von den ersten Semestern an ermöglicht zu sehen, wie auf einer echten Bühne gearbeitet wird. Es ist also keine Schule im theoretischen Sinne – es ist vielmehr eine Werkstatt, in der nicht nur „Schauspieltechnik“ gelehrt wird, sondern auch, wie man denkt, die Welt sieht und lernt, durch das Theater mit ihr zu sprechen.

Akademische Programme und Organisation

Das Studium an der Otto-Falckenberg-Schule ist keine Ansammlung akademischer Disziplinen, die nach einem festen Schema unterrichtet werden. Wir haben bereits festgestellt, dass das Programm auf vier Jahre ausgelegt ist – intensiv, dicht und gefüllt nicht nur mit Unterricht, sondern auch mit Praxis am realen Theater. Die Schule hat zwei Hauptausbildungsrichtungen: Schauspiel und Regie. Und jede von ihnen ist so aufgebaut, dass der Studierende nicht nur technisch, sondern vor allem als Persönlichkeit wächst – mit eigener Vision, eigenem Ansatz und eigenen Ideen. Dank der Partnerschaft mit den Münchner Kammerspielen nehmen die Studierenden beispielsweise an Proben teil, manchmal auch an Aufführungen, und haben die Möglichkeit, Fachleute ihres Fachs kennenzulernen und zu beobachten, wie alles im Schauspielbereich funktioniert. Diese Zusammenarbeit ist so lebendig, dass die Grenze zwischen „Schüler“ und „Schauspieler auf der Bühne“ manchmal fast verschwimmt.

Im Zentrum des Programms steht eine logische Abfolge: von grundlegenden Fähigkeiten bis zur komplexen Arbeit auf der Bühne. Die ersten Jahre umfassen Körper, Stimme, Bühnensprache, Improvisation und Textanalyse, später folgen mehr Regie, Praxis und Auftritte. Das Studium endet nicht einfach mit dem Abschluss, sondern mit einer Diplomarbeit in Form einer echten Aufführung. Übrigens wird das hier erworbene Diplom einem Hochschulabschluss gleichgesetzt – obwohl die Schule offiziell keine Universität ist. Ein weiterer wichtiger Punkt: Das Studium hier ist kostenlos. Alle vier Jahre. Für viele Studierende ist das von großer Bedeutung. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, staatliche finanzielle Unterstützung durch das BAföG-System zu erhalten. Das ermöglicht nicht nur talentierten Kindern aus wohlhabenden Familien, sich zu entwickeln, sondern auch denen, die aus der Provinz, aus schwierigen Lebensumständen, ohne „Vitamin B“ und Beziehungen in die Kunst gekommen sind.

Dozenten und berühmte Absolventen

Damit an der Otto-Falckenberg-Schule nicht nur das Bühnenhandwerk, sondern auch das theatralische Denken gelehrt werden kann, müssen die Lehrenden keine Theoretiker sein, sondern diejenigen, die täglich auf der Bühne stehen oder hinter den Kulissen die Fäden ziehen. Und genau so ist es: Die meisten Dozenten der Schule sind aktive Schauspieler, Regisseure und Dramaturgen der Münchner Kammerspiele. In ihrem Unterricht gibt es kein „Absitzen“, denn hier gleicht jede Stunde einer Probe oder einem kreativen Treffen. Die Dozenten stellen unbequeme Fragen, geben komplexe Aufgaben und fordern Mut. Gleichzeitig unterstützen sie auch. Oftmals spüren die Studierenden gerade dank dieser Meister zum ersten Mal, dass es im Theater nicht um Richtigkeiten geht, sondern um die Suche, um die Wahrheit auf der Bühne, so unbequem sie auch sein mag.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass aus dieser Schule so viele Namen hervorgegangen sind, die weit über die Grenzen Münchens hinaus bekannt sind. Franka Potente – der Star aus dem Film „Lola rennt“, Jens Harzer – einer der tiefgründigsten deutschen Schauspieler der Gegenwart, Tobias Moretti – ein vielseitiger und beliebter Künstler, der auch denen bekannt ist, die sich nicht für Theater interessieren. Edgar Selge, Monika Baumgartner, Annette Paulmann – sie alle haben einst die Werkstätten, Hörsäle und Bühnen hier durchlaufen. Diese Menschen haben nicht nur die Schule berühmt gemacht. Sie haben gezeigt, dass die Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule ein tiefes Fundament für Jahrzehnte legt. Und genau dank dieses Umfelds bleibt die Schule bis heute nicht nur eine Bildungseinrichtung, sondern ein Ort, an dem das Gesicht des deutschen Theaters geformt wird.

Gegenwart und kultureller Einfluss der Schule

Die Otto-Falckenberg-Schule bleibt nicht nur dank ihrer Absolventen ein lebendiger Organismus, sondern auch dank ihrer Fähigkeit, sich mit der Zeit zu verändern. Im Jahr 2006 wurde die Schule grundlegend saniert, und bereits zwei Jahre später, 2008, wurde ein modernes Studio für Unterricht und Proben eröffnet. Es geht nicht nur um eine technische Modernisierung, denn die neuen Räume wurden zu einer Plattform für noch kühnere kreative Suchen, bei denen die Bühne ein Raum für Experimente ist.

In der Schule gilt das Prinzip: Studierende sollen das Theater nicht nur studieren, sondern es auch selbst gestalten. Deshalb finden hier regelmäßig sogenannte student-managed Aufführungen statt – Inszenierungen, die die Studierenden von der Idee bis zur Premiere selbst vorbereiten. Sie schreiben Texte, wählen Themen, suchen nach szenischen Lösungen und sind selbst für das Ergebnis verantwortlich. Das gibt jedem die Möglichkeit zu spüren, wie ein echtes Schauspiel entsteht – nicht in der Theorie, sondern in der Praxis, mit echten Emotionen und einem Publikum im Saal.

Natürlich spielt die ständige Zusammenarbeit mit den Münchner Kammerspielen eine besondere Rolle im Leben der Schule. Im Rahmen gemeinsamer Projekte entstehen Labor-Aufführungen, in denen die Grenzen zwischen Dozenten, Studierenden, Regisseuren und Schauspielern verschwimmen. Die Ideen, die hier geboren werden, werden oft Teil des Mainstreams im deutschen Theater, obwohl sie in einem kleinen Proberaum beginnen. Heute führt die Otto-Falckenberg-Schule die Tradition des Experiments fort, die bereits Mitte des 20. Jahrhunderts begründet wurde. Aber heute gehen diese Experimente weit über den Bühnentext hinaus – sie berühren Fragen der Identität, des Schweigens, der Politik, von Traumata und Körperlichkeit. Und genau deshalb bleibt die Schule bis heute einer der interessantesten Punkte auf der Landkarte der europäischen Theaterausbildung.

Quellen:

  1. https://www.otto-falckenberg-schule.de/en/school/
  2. https://www.otto-falckenberg-schule.de/en/education/
  3. https://www.routeyou.com/en-de/location/view/47884852

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