Die Erfolgsgeschichten von Unternehmen können ebenso überraschend wie faszinierend sein. Ein herausragendes Beispiel ist Siemens — eine kleine Hinterhofwerkstatt, die sich später in einen globalen Technologie-Giganten verwandelte. Alles begann 1847 mit einer genialen Erfindung — dem Zeigertelegrafen von Werner von Siemens. Heute befindet sich das Herz des Unternehmens im Zentrum von München, wo Lösungen auf Basis industrieller Künstlicher Intelligenz geschaffen werden. Sie steuern weltweit Energie- und Verkehrssysteme.
Es ist erstaunlich, wie es Siemens gelang, während der Weltkriege zu überstehen, sich an globale Krisen anzupassen und die digitale Transformation rechtzeitig anzuführen. In diesem Artikel auf munich1.one analysieren wir den Weg des Unternehmens.
Geschichte und Evolution des Unternehmens
Wie hat sich der Technologie-Gigant verändert? Wir können grob vier Hauptetappen der Entwicklung in der Geschichte von Siemens unterscheiden.
- Im Jahr 1847 gründete Werner von Siemens zusammen mit seinem Partner Johann Georg Halske die „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“ in einer kleinen Werkstatt in Berlin. Es gab nur 10 Mitarbeiter. Ihr Hauptziel war die Entwicklung des Zeigertelegrafen — einer Technologie, die es Menschen erstmals ermöglichte, Nachrichten über große Entfernungen fast augenblicklich zu übertragen. Dies legte den Grundstein für den zukünftigen globalen Konzern.
- Im Jahr 1866 machte Werner von Siemens eine Entdeckung, die die Welt veränderte — das dynamoelektrische Prinzip. Dies ermöglichte die Umwandlung von mechanischer Energie in elektrische im industriellen Maßstab. Siemens war nun nicht mehr nur eine Telegrafenfirma, sondern der Architekt der weltweiten Elektrifizierung. Genau zu dieser Zeit baute das Unternehmen Siemensstadt — eine ganze „Stadt in der Stadt“ für Ingenieure und Arbeiter, die zum Symbol des industriellen Aufschwungs wurde.
- Die nächste Etappe kann man als Prüfung durch die Zeit bezeichnen. Zwei Weltkriege zerstörten fast vollständig das Vermögen von Siemens, sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Das Unternehmen musste schwierige Phasen der Kriegswirtschaft, schwere Verluste und Zwangsarbeit durchlaufen. Doch eine unglaubliche Widerstandsfähigkeit half Siemens, sich bis Mitte der 1950er-Jahre nicht nur wieder aufzubauen, sondern auch auf die Weltmärkte zurückzukehren und erneut zum Technologieführer zu werden.
- Die letzte in dieser Liste ist die moderne Phase. Das Unternehmen implementiert aktiv das Konzept des „Digitalen Zwillings“ (Digital Twin), das es ermöglicht, den Betrieb ganzer Fabriken oder städtischer Netzwerke im virtuellen Raum zu modellieren, bevor sie in der Realität gebaut werden.

Werner von Siemens: Eine Philosophie, die der Zeit voraus war
Der Leser mag sich fragen, warum Siemens nicht wie viele andere Unternehmen des 19. Jahrhunderts verschwunden ist. Tatsächlich liegt das Geheimnis in den Prinzipien des Gründers (Innovation und das dynamoelektrische Prinzip). Werner von Siemens bestand immer darauf:
„Erfinden, nicht kopieren“
Dies ist die Philosophie der Marke, die das Unternehmen dazu zwingt, jedes Jahr Milliarden in Forschung und Entwicklung zu investieren. Das bedeutet, dass die ständige Zuweisung riesiger Summen für wissenschaftliche Entwicklungen Teil des Charakters und der Regeln des Unternehmens ist.
Das dynamoelektrische Prinzip ist die Grundlage der gesamten modernen elektrotechnischen Welt. Man kann annehmen, dass wir ohne diese Erfindung von Werner von Siemens heute noch im Zeitalter der Petroleumlampen leben würden und nicht in einer Welt der Hochtechnologie.

Siemens-Hauptsitz in München
Als Siemens 2016 die Türen seines neuen Hauptsitzes öffnete, wurde klar, dass dies keine typische gläserne Konzernschachtel war. Die Architekten des dänischen Büros Henning Larsen schufen etwas Interessanteres — einen wahren Magneten für Einwohner und Besucher von München. Die Hauptidee des Projekts bestand darin, Geschichte mit Zukunftstechnologien zu verbinden. Deshalb wurde das klassische Palais Ludwig Ferdinand harmonisch in ultra-moderne, energieeffiziente Konstruktionen eingefügt.
Dieser Ort wurde zu einem wahren Vorbild dafür, wie moderne Wirtschaft aussehen sollte. Das Gebäude erfüllt höchste weltweite Ökostandards, und das sind nicht nur Worte. Im Jahr 2016 erhielt das Büro das „Platin“-Rating der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und des amerikanischen LEED-Systems. Dies beweist, dass das Unternehmen ernsthaft darauf ausgerichtet ist, bis 2030 CO2-Neutralität zu erreichen.
Wichtig ist auch, dass sich Siemens nicht mit Zäunen von der Stadt abgeschottet hat. Im Gegenteil, sie schenkten München einen neuen Fußgängerdurchgang zwischen dem Stadtzentrum und dem Museumsviertel. Nun kann jeder durch die gemütlichen Innenhöfe des Unternehmens spazieren, ein lokales Café oder Restaurant besuchen. Und im Atrium selbst erwartet die Besucher eine Bronzeskulptur von Georg Baselitz — eine Erinnerung an jeden der 1200 Mitarbeiter, dass selbst in der Welt der Ingenieurwissenschaften Erfolg ohne ein Stück kreatives Denken nicht möglich ist. Das Projekt, realisiert von der Abteilung Siemens Real Estate, beweist: Ein Büro muss kein „geschlossener Bunker“ sein, sondern ein lebendiges Umfeld, das mit der Stadt atmet.

Technologien, die die Welt verändern
Wir bemerken die Präsenz von Siemens oft nicht, aber das Unternehmen steckt hinter vielen alltäglichen Dingen. U-Bahnen, Straßenbeleuchtung oder automatisierte Produktionen — hinter all dem stehen ihre Lösungen, die das Leben in der Stadt sicherer, schneller und grüner machen. Betrachten wir jede der Lösungen genauer:
- Das Unternehmen entwickelt intelligente Energiesysteme, die wie das Gehirn einer Stadt funktionieren. Sie bestimmen selbstständig, wo derzeit mehr Strom benötigt wird und wo gespart werden kann, was nicht nur Ressourcen schont, sondern uns auch sauberer Energie näherbringt;
- Besondere Aufmerksamkeit verdienen Fabriken, in denen Maschinen miteinander kommunizieren. Dank des Konzepts des „Digitalen Zwillings“ (Digital Twin) erstellen Ingenieure eine virtuelle Kopie eines Produkts oder einer ganzen Fabrik. Das ist eine Art Simulation in der Realität: Fachleute testen, korrigieren Fehler und optimieren Prozesse auf dem Monitor, damit im „Eisen“ alles beim ersten Mal perfekt funktioniert;
- Der städtische Verkehr ist ohne die Innovationen von Siemens nicht vorstellbar. Ihre Zugautomatisierungssysteme arbeiten unauffällig, aber sehr effizient: Züge verkehren häufiger, und wir verbringen weniger Zeit mit Warten auf dem Bahnsteig.

Häufig gestellte Fragen zu Siemens
- Wann wurde die Firma Siemens gegründet? Die Firma wurde 1847 von Werner von Siemens in Berlin als „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“ gegründet.
- Was ist die bekannteste Erfindung von Werner von Siemens? Als bedeutendste Errungenschaft gilt die Erfindung des dynamoelektrischen Prinzips (1866), das zur Grundlage der modernen Elektrotechnik wurde.
- Warum befindet sich der Siemens-Hauptsitz in München? Der neue Hauptsitz in München (eröffnet 2016) symbolisiert die moderne Strategie des Unternehmens: Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Offenheit, wobei historische Gebäude mit ultra-modernen Büroflächen verbunden werden.
- Was sind heute die Haupttätigkeitsfelder von Siemens? Das Unternehmen konzentriert sich auf industrielle Automatisierung, Technologien zur Energieerzeugung und -verteilung sowie auf Verkehrssysteme und die Digitalisierung von Produktionsprozessen.
- Wie passt sich Siemens an moderne digitale Herausforderungen an? Das Unternehmen integriert aktiv künstliche Intelligenz und das Konzept des „Digitalen Zwillings“ (Digital Twin), was es ermöglicht, industrielle Prozesse auf einem bisher unerreichbaren Niveau zu automatisieren und zu optimieren.

Geschichte von Siemens in München
Dies ist nicht die nächste Erfolgschronik eines großen Konzerns. Begonnen mit der Erfindung eines einfachen Telegrafen hat das Unternehmen einen unglaublichen Weg bis zur Schaffung komplexer digitaler Ökosysteme zurückgelegt, die Energie und Produktion weltweit steuern.
Die wichtigste Lektion, die Siemens erteilt, ist die Fähigkeit, sich rechtzeitig zu verändern. Die Fähigkeit zur ständigen Selbstreform wurde zum Wettbewerbsvorteil, der es der Marke ermöglichte, über ein Jahrhundert lang führend zu bleiben. Aufbauend auf einem reichen Erbe und Innovationen setzt Siemens weiterhin hohe Maßstäbe für Energieeffizienz und Digitalisierung. Dies ist das beste Beispiel dafür, wie ein Unternehmen ewig grün und relevant bleiben kann, selbst wenn sich die Welt jeden Augenblick verändert.
