Die Münchener Akademie der Künste ist eine der ältesten und bedeutendsten Kunstinstitutionen Deutschlands. Zu ihren Absolventen zählen viele weltbekannte Kreative. Mehr über diese einflussreiche Talentschmiede erfahren Sie auf munich1.one.
Geschichte
Die Akademie wurde 1770 von Kurfürst Maximilian III. von Bayern gegründet. Der Lehrplan konzentrierte sich auf Malerei, Grafik, Bildhauerei und Architektur. Die Werke der Studenten waren durch einen naturalistischen Stil und starke Hell-Dunkel-Kontraste geprägt und umfassten Genres wie Landschaften, Porträts und Stillleben.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Akademie zu einer der wichtigsten Institutionen für die Ausbildung von Künstlern. Studenten aus ganz Europa und den USA kamen hierher. Neben ihrer Rolle als Bildungseinrichtung wurde die Akademie bald auch zu einer Künstlervereinigung. Als eine der führenden Institutionen weltweit hatte sie einen enormen Einfluss auf die Kunstwelt an der Schwelle zum 20. Jahrhundert, der jedoch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Niedergang der Bayerischen Räterepublik nachließ.
Von 1852 bis 1920 war Frauen der Zugang zur Akademie verwehrt. Kreative Frauen konnten nur an teuren Privatschulen oder an der neugegründeten Frauenakademie der Münchner Künstlervereinigung Kunst studieren. Erst ab dem Wintersemester 1920–1921 durften Frauen an der Münchener Akademie der Künste unter den gleichen Bedingungen wie Männer studieren.
Während des Zweiten Weltkriegs verkündete Adolf Hitler die „arische“ Rasse als „reine“ Rasse und ersetzte Professoren, die nicht der „arischen“ Rasse angehörten, durch nationalsozialistische Funktionäre. Ein Großteil des Gebäudes wurde im Juli 1944 bei Bombenangriffen zerstört. Große Sammlungen von Kunstwerken, Gipsabgüssen, Kostümen und Archiven gingen für immer verloren.
Nach dem Krieg entließ die Militärregierung ehemalige NSDAP-Mitglieder und Künstler der NS-Zeit. Einige Professoren konnten jedoch ihre Position behalten, wie etwa Hermann Kaspar. 1989 begannen die Studenten, ihre Werke in der AkademieGalerie auszustellen. Neben dem klassischen Angebot in Malerei und Bildhauerei wurde das Kursangebot der Akademie in der Nachkriegszeit erheblich erweitert.
Kreatives Zentrum
Die Akademie versteht sich als Experimentallabor und Nährboden für kreative Lösungen, die über alle Traditionen hinausgehen. Der Bildungsprozess beruht auf drei Säulen: künstlerische Kritik, handwerklich-technische Ausbildung und historisch-theoretische Orientierung.

Im Jahr 2023 umfasst die Akademie 23 Klassen, die von Dozenten geleitet werden und jeweils einen individuellen Ansatz zur zeitgenössischen bildenden Kunst verfolgen. Diese Klassen werden durch zwanzig hervorragend ausgestattete Werkstätten, eine große Bibliothek sowie Seminare und Vorlesungen zur Kunstgeschichte, Philosophie und Didaktik ergänzt. Das Zentrum für interdisziplinäre Studien bietet allen Studierenden fachübergreifende Kurse in Theorie und praktischer Projektarbeit.
Die Studierenden lernen Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Glaskunst, Keramik, Schmuckdesign, Bühnenbild und Kostümgestaltung und vieles mehr. Alle Veranstaltungen, darunter zahlreiche Gastvorträge, Seminare und Exkursionen, stehen Studierenden aller Fachrichtungen offen. Es besteht auch die Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen zwei Semester als Gaststudent zu studieren.
Besonders lohnenswert ist der Besuch der jährlichen Juliveranstaltung der Akademie. Dabei kann man die Arbeiten sehen, die in den kreativen Ateliers und Werkstätten der Studenten entstehen. Darüber hinaus stellen Studenten und Absolventen das ganze Jahr über ihre Werke in der Galerie der Akademie aus. Der etwa 8 Meter tiefe und 20 Meter lange Ausstellungsraum ist durch eine Glaswand vom restlichen barrierefreien Bereich getrennt.

Bekannte Absolventen
An der Münchener Akademie der Künste studierten unter anderem:
- Wilhelm Busch – der „Klassiker des deutschen Humors“, einer der einflussreichsten humoristischen Dichter und Karikaturisten Deutschlands;
- Paul Klee – ein deutsch-schweizerischer Künstler, von den Nationalsozialisten als Vertreter der „entarteten Kunst“ bezeichnet;
- Franz Marc – deutscher Maler jüdischer Herkunft und herausragender Vertreter des deutschen Expressionismus;
- Franz von Stuck – deutscher Maler, Bildhauer, Symbolist und Expressionist;
- Richard Riemerschmid – deutscher Architekt, Künstler, Designer und Stadtplaner;
- Otl Aicher – deutscher Grafikdesigner und Typograf;
- Max Unold – deutscher Meister der bildenden Kunst;
- Lovis Corinth – deutscher Künstler, dessen spätere Werke eine Synthese aus Impressionismus und Expressionismus zeigen;
- Giorgio de Chirico – italienischer Aristokrat, Maler und Grafiker;
- Friedrich von Gärtner – deutscher Architekt, der vorwiegend im romanischen Stil arbeitete;
- Franz von Lenbach – deutscher Maler und bedeutender Vertreter der Münchner Schule der bildenden Künste;
- Wassily Kandinsky – russischer Maler, Grafiker und Kunsttheoretiker, gilt als erster Abstraktionist.
