Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ist die älteste Hochschule Münchens. Ihre Vielzahl an Studiengängen, die hohe Studierendenzahl und nicht zuletzt die zahlreichen Nobelpreisträger unter ihren Absolventen machen sie zu einer echten Quelle des Wissens. Mehr über die Geschichte und den Betrieb dieser Universität erfahren Sie auf munich1.one.
Nicht immer in der bayerischen Hauptstadt beheimatet
Die Universität wurde 1472 vom bayerischen Herzog Ludwig IX. dem Reichen und dem Kurfürsten Maximilian IV. Joseph gegründet und nach ihnen benannt. Sie wurde nach dem Vorbild der Universität Wien in Ingolstadt gegründet und umfasste damals vier Fakultäten: Philosophie, Medizin, Rechtswissenschaften und Theologie.
Zur Zeit der Reformation wurde die Universität zu einem Zentrum der römisch-katholischen Opposition gegen Martin Luther. 1800 verlegte Maximilian IV. Joseph die Universität nach Landshut. Da die bayerischen Herzöge das Institut finanziell unterstützten, konnte es 1826 nach München umziehen. Das prächtige Hauptgebäude wurde von Friedrich von Gärtner entworfen und bietet vor dem Eingang einen imposanten Innenhof mit einem 8,2 m hohen Brunnen.

Temporäre Schließung wegen… einer Liebesaffäre
1848 wurde die Universität vorübergehend geschlossen, da König Ludwig I. eine romantische Beziehung zur Kurtisane Lola Montez pflegte, die er zur Gräfin machte. Über ein Jahr lang hatte die Tänzerin erheblichen politischen Einfluss in Bayern und unterstützte liberale Ideen, was den Konservativen und Jesuiten zuwiderlief. Ihre Macht wurde so groß, dass die Verwaltung um Karl von Abel entlassen wurde, weil dieser ihre Erhebung zur Gräfin ablehnte.

Während der Revolution 1848 waren die Studenten der Universität gespalten, was zu Spannungen in wissenschaftlichen Kreisen führte. Lola Montez drängte den König, die Universität zu schließen. Nach Druck der Revolutionäre wurde die Universität jedoch wiedereröffnet, Ludwig trat zurück, und die Kurtisane floh in die USA.
Interessanterweise hatten Frauen nicht nur negativen Einfluss auf die Geschichte der Universität: 1900 erhielten sie hier erstmals Doktortitel, und 1918 durfte eine Frau erstmals den Rang einer Hochschullehrerin erlangen.
Kriegszeit
1942 formierte sich vor dem Hauptgebäude der Universität eine Widerstandsbewegung gegen die NS-Diktatur. Die Gruppe „Weiße Rose“ bestand aus Universitätsstudenten und einem Philosophieprofessor und verbreitete anonym Flugblätter, die zum Widerstand gegen das Hitler-Regime aufriefen. Sechs Hauptmitglieder der Gruppe wurden von der Gestapo verhaftet und durch Enthauptung hingerichtet. Die beiden Plätze vor dem Hauptgebäude sind nach den Geschwistern Scholl und Professor Huber benannt.
1944 wurde ein Großteil des Hauptgebäudes durch Bombenangriffe schwer beschädigt. Die Vorlesungen fanden teils zwischen den Trümmern, teils in Privaträumen der Professoren statt. Im Mai 1945, nach der Ankunft der amerikanischen Truppen, wurde der Universitätsbetrieb unterbrochen. Die Türen wurden im April 1946 wieder geöffnet.
Seitdem hat sich an der Universität viel verändert. Die LMU konnte ihr Forschungsprofil durch den Erfolg in der Exzellenzinitiative zur Förderung der Wissenschaft erheblich erweitern. 2012 wurde sie sogar zur erfolgreichsten Universität Deutschlands. Die fruchtbare Zusammenarbeit mit Universitäten in den USA und China stärkte ihren internationalen Ruf. Viele ausländische Studierende kommen gerne nach München.
Eine der größten Hochschulen des Landes
Die Studierenden der Ludwig-Maximilians-Universität München besuchen nicht nur das prächtige Hauptgebäude, sondern auch zahlreiche weitere Gebäude in der Stadt. Die Universität verfügt 2023 über 18 Fakultäten, die rund 150 verschiedene Studiengänge umfassen. Damit gehört sie zu den fünf größten Universitäten Deutschlands.

Das Hauptgebäude enthält große Hörsäle, die bei der Öffentlichkeit sehr beliebt sind, sowie die geräumige Große Aula. Diese wird für feierliche Veranstaltungen wie Konzerte und Preisverleihungen genutzt und ist eines der wenigen im Zweiten Weltkrieg unversehrten Räume Münchens. Hier fanden auch die Gründungsversammlungen Bayerns statt, bei denen die Verfassung des Landes verabschiedet wurde.

Neben den Fakultäten unterstützt die LMU zahlreiche Forschungszentren, von denen einige in Zusammenarbeit mit bekannten wissenschaftlichen und industriellen Partnern entstanden sind.
Aufgrund der internationalen Ausrichtung der Universität als beliebter Bildungsort sind viele Studiengänge, insbesondere auf Master- und Doktoratsniveau, auf Englisch verfügbar. Fächer wie Psychologie, Physik und Betriebswirtschaft werden sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch unterrichtet.
Jeden Sommer organisiert die LMU die Münchener Internationale Sommeruniversität (MISU an der LMU). Die Studien finden in München statt, manche Kurse auch in anderen europäischen Städten. Diese Programme laden internationale Studierende zu kurzen Kursen ein, um ihre Fähigkeiten auch in den Semesterferien zu verbessern.
Bekannte Absolventen und Professoren
Die Ludwig-Maximilians-Universität München hat viele Nobelpreisträger und erfolgreiche Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Wissenschaft hervorgebracht. Zu den bekanntesten Absolventen und Professoren zählen:
- Adolf von Baeyer – deutscher Organischer Chemiker, Nobelpreisträger für Chemie;
- Max von Pettenkofer – deutscher Naturforscher, Chemiker und Hygieniker, Gründer des ersten Hygienischen Instituts in Europa, Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften;
- Peter Debye – niederländischer Physikochemiker, Nobelpreisträger für Chemie;
- Wilhelm Röntgen – deutscher Maschinenbauingenieur und Physiker, Entdecker der Röntgenstrahlen, Nobelpreisträger für Physik;
- Werner Heisenberg – deutscher theoretischer Physiker, Mitbegründer der Quantenmechanik, Nobelpreisträger für Physik, Mitglied zahlreicher Akademien;
- Wolfgang Ernst Pauli – österreichisch-schweizerischer theoretischer Physiker, Pionier der Quantenphysik, Nobelpreisträger für Physik;
- Max Planck – deutscher theoretischer Physiker, Begründer der Quantenphysik, Nobelpreisträger für Physik;
- Benedikt XVI. – 265. Papst der katholischen Kirche und Oberhaupt des Vatikans;
- Valdas Adamkus – ehemaliger Präsident der Republik Litauen;
- Konrad Adenauer – deutscher Politiker, Vorsitzender der CDU;
- Edmund Stoiber – deutscher Politiker, Ministerpräsident Bayerns;
- Rainer Maria Rilke – österreichischer Lyriker und Symbolist;
- Lion Feuchtwanger – deutscher Schriftsteller;
- Friedrich Wilhelm Schelling – deutscher Philosoph und Idealist, lehrte an mehreren Universitäten;
- Bertolt Brecht – deutscher Dramatiker und Lyriker;
- Nikolaus Brass – deutscher Komponist;
- Patrick Süskind – deutscher Schriftsteller und Drehbuchautor;
- Dieter Kosslick – deutscher Filmkritiker, Journalist und Forscher;
- Werner Krauss – deutscher Romanist, Mitglied der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“.
