Viktualienmarkt: Das kulinarische Herz Münchens

Der Viktualienmarkt ist nicht nur ein Markt, sondern die wahre Seele Münchens, ein Ort, an dem der Puls der bayerischen Kultur, Tradition und Gastronomie schlägt. Im Herzen der Altstadt, unweit des Marienplatzes gelegen, ist dieser Freiluftmarkt eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Münchens, die sowohl Einheimische als auch Touristen aus aller Welt anzieht. Der Name „Viktualienmarkt“ leitet sich vom lateinischen Wort victualia ab, was „Lebensmittel“ bedeutet, und das spiegelt perfekt das Wesen des Marktes wider – ein Ort, an dem man alles findet, was das Herz begehrt, von frischen regionalen Produkten bis hin zu exotischen Delikatessen. Mehr dazu auf munich1.one.

Die Geschichte des Viktualienmarktes

Die Geschichte des Viktualienmarktes beginnt im Jahr 1807, als König Maximilian I. Joseph per Dekret anordnete, einen Teil des Stadtmarktes vom Marienplatz (damals als Schrannenplatz bekannt) an einen neuen Standort zwischen der Heilig-Geist-Kirche und der Frauenstraße zu verlegen. Der Marienplatz, der jahrhundertelang als Hauptmarktplatz Münchens gedient hatte, wurde aufgrund des Wachstums der Stadt für den Handel mit Getreide und anderen landwirtschaftlichen Produkten zu klein. Um den neuen Markt zu schaffen, ließ die Stadtverwaltung sogar die Gebäude des städtischen Heilig-Geist-Spitals abreißen.

Anfangs wurde der Markt einfach „Marktplatz“ oder „Grüner Markt“ genannt, doch im 19. Jahrhundert, als es in gebildeten Kreisen in Mode kam, deutsche Wörter zu latinisieren, erhielt er den Namen „Viktualienmarkt“. Bereits in den Jahren 1823–1829 musste der Markt erweitert werden, und später kamen neue Pavillons hinzu, unter anderem für den Handel mit Obst, Nordseefisch und anderen Produkten. Bis 1890 erreichte der Viktualienmarkt seine heutige Größe von etwa 22.000 Quadratmetern, auf denen heute etwa 100–140 Verkaufsstände untergebracht sind.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Markt durch Luftangriffe erheblich zerstört. In der Nachkriegszeit wurde sogar die Idee in Betracht gezogen, das Gelände mit Hochhäusern zu bebauen, doch die Stadtverwaltung entschied sich, den Markt mit erheblichen Mitteln wiederaufzubauen. Im Jahr 1948 ereignete sich die als „Eierschlacht“ bekannte Begebenheit, bei der über hohe Preise empörte Münchner die Händler mit Lebensmitteln bewarfen. Dieses Ereignis wurde Teil der lokalen Geschichte, bremste aber nicht die Entwicklung des Marktes. 1953 wurden auf dem Viktualienmarkt Gedenkbrunnen für Münchner Volkssänger und Schauspieler errichtet, und 1962 wurde auf Initiative des Bürgermeisters ein traditioneller bayerischer Maibaum aufgestellt. Im Jahr 2005 wurde neben dem Markt die Schrannenhalle wiedereröffnet, eine historische Markthalle, die 1932 abgebrannt war.

Heute ist der Viktualienmarkt nicht nur ein Ort zum Einkaufen, sondern auch ein wichtiges Kulturdenkmal, das Tradition und Moderne verbindet. Von einem bescheidenen Bauernmarkt hat er sich zu einem gastronomischen Paradies für Feinschmecker entwickelt und dabei seine authentische bayerische Atmosphäre bewahrt.

Sortiment und gastronomische Vielfalt

Der Viktualienmarkt ist ein wahres Paradies für Genießer. Auf seiner Fläche von etwa 18.591–22.000 Quadratmetern gibt es rund 100–140 Stände, die eine breite Palette an Produkten anbieten. Hier findet man frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Milchprodukte, Brot, Gewürze, Blumen, Honig, Weine, Spirituosen sowie Souvenirs und handgefertigte Waren. Die Münchner kaufen hier gerne frischen Spargel, Äpfel, Beeren und andere Produkte direkt von bayerischen Bauern. Die Qualität der Produkte auf dem Viktualienmarkt ist für ihre Frische berühmt, und viele Einheimische kommen genau deshalb hierher. Beliebte Produkte sind auch traditionelle Weißwürste, Leberkäse und bayerische Brezen mit süßem Senf – das ist nur ein Teil dessen, was die örtlichen Stände anbieten. Laut Bewertungen kostet eine Leberkässemmel etwa 3 Euro und ist ein beliebter Snack. Neben regionalen Waren gibt es auf dem Markt auch Stände mit exotischen Früchten, Gewürzen aus aller Welt, italienischem Käse, französischen Delikatessen und sogar ungarischen Gerichten.

Das Café von Christian Müller, das seit Ende der 1990er Jahre besteht, bietet frisch gebrühten Kaffee aus Bohnen, die im Stadtteil Giesing geröstet werden. Hier kann man auch Florentiner von einem lokalen Konditor probieren. Eine weitere bekannte Bäckerei – Lea Zapf – ist berühmt für ihre zarten Kuchen, die zwar teurer sind als gewöhnliche Brezen, aber jeden Bissen wert sind.

Suppen – von der traditionellen bayerischen Leberknödelsuppe bis hin zu modernen veganen Varianten mit Ingwer und Kokos – sind eine beliebte Wahl für die Mittagspause. Die Preise beginnen bei 2,80 Euro.

Darüber hinaus ist der Markt für seinen Biergarten bekannt – den zentralen Biergarten, in dem Bier der sechs großen Münchner Brauereien (Augustiner, Hacker-Pschorr, Löwenbräu, Paulaner, Spaten, Hofbräu) ausgeschenkt wird. Das Bier wird alle 5–6 Wochen gewechselt, damit keine Brauerei bevorzugt wird. Der Biergarten ist der ideale Ort, um eine Maß Bier (1 Liter) und traditionelle Gerichte wie Schweinshaxe oder Weißwurst zu genießen.

Kulturelle Sehenswürdigkeiten und Atmosphäre

Der Viktualienmarkt ist nicht nur ein Ort zum Einkaufen, sondern auch ein kulturelles Zentrum Münchens. Eine der Hauptattraktionen des Marktes ist der Maibaum, der in den traditionellen bayerischen Farben Weiß und Blau bemalt ist. Auf dem Baum sind Szenen des Münchner Lebens dargestellt: Bierfuhrwerke, Oktoberfest-Szenen, der Schäfflertanz, Musikanten und Marktfrauen. Der Baum wird am 1. Mai feierlich aufgestellt, begleitet von Aufführungen in traditionellen bayerischen Trachten.

Der Markt grenzt auch an die majestätische Heilig-Geist-Kirche, die eine der ältesten Kirchen der Stadt ist. Wer das Panorama genießen möchte, dem sei empfohlen, den Turm der Peterskirche (Alter Peter) zu besteigen, von wo aus sich besonders bei klarem Wetter ein herrlicher Blick auf den Markt und die Stadt bietet.

Die Atmosphäre auf dem Viktualienmarkt ist lebendig und vielseitig. Die frühen Morgenstunden, wenn die ersten Stände öffnen (wie die Bäckerei von Tamara Karnoll um 5:30 Uhr morgens), sind von Ruhe erfüllt. Gegen Mittag erwacht der Markt zum Leben: Büroangestellte holen sich ihr Mittagessen, Touristen fotografieren die bunten Stände und die Verkäufer unterhalten sich angeregt mit den Kunden. Auch wenn einige Händler für ihre „raue“ Art bekannt sind (besonders wenn man die Ware anfasst, ohne Kaufabsicht), verleiht genau diese Direktheit dem Markt seine Authentizität.

Veranstaltungen und saisonale Besonderheiten

Der Viktualienmarkt erwacht an Feiertagen zum Leben. Eines der Hauptereignisse ist der Faschingsdienstag im Februar oder März, wenn sich bis zu 20.000 Menschen zu einer Karnevalsparty mit Sekt und Tanz versammeln, einschließlich des berühmten Tanzes der Marktfrauen – einem farbenfrohen und etwas komischen Tanz der Händlerinnen. Ende November und im Dezember verwandelt sich der Markt in den Weihnachtsmarkt „Alpenwahn“ mit Glühwein, festlichen Geschenken und Weihnachtsliedern.

Im Jahr 2023 wurde der Markt modernisiert: Es wurden 20 neue Blumenbeete, sechs Platanen für Schatten, neue Bänke, Stühle und Fahrradabstellplätze hinzugefügt, was den Bereich für Besucher noch angenehmer machte.

Der Viktualienmarkt ist nicht nur ein Markt, sondern ein Ort, an dem Geschichte, Kultur und Gastronomie Münchens miteinander verflochten sind. Vom Bauernmarkt des 19. Jahrhunderts bis zum modernen gastronomischen Zentrum hat er seine einzigartige Atmosphäre bewahrt, in der jeder Besucher den wahren Geist Bayerns spüren kann. Ob beim Kauf frischer Produkte, beim Genuss eines Bieres oder einfach nur beim Schlendern zwischen den Brunnen und Ständen – der Viktualienmarkt bietet ein unvergessliches Erlebnis. Wenn Sie in München sind, ist dieser Markt ein absolutes Muss, um das Herz der Stadt zu spüren und ihre Geschmäcker zu probieren.

Quellen: muenchen.de, muenchen.travel, tripadvisor.de.

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