Die Gründung des Münchener Automobilkonzerns MAN

Der deutsche Automobil- und Maschinenbaukonzern MAN mit Hauptsitz in München hat auf seinem Weg zu einem der führenden internationalen Anbieter von Nutzfahrzeugen zahlreiche technische Hürden genommen und historische Krisen überstanden. Mehr zur Geschichte des Unternehmens erfahren Sie weiter auf munich1.one.

Die Anfänge

1840 gründeten der Unternehmer Ludwig Sander und der Ingenieur Jean Gaspard Dollfus in Augsburg (Bayern) die Sander’sche Maschinenfabrik – den Vorläufer von MAN. Vier Jahre später wurde das Unternehmen in C. Reichenbach’sche Maschinenfabrik umbenannt, nach Carl August Reichenbach, einem der Erfinder der Druckmaschine, der mit seiner innovativen Erfindung das Unternehmen berühmt machte. 1857 erfolgte eine weitere Umbenennung in Maschinenfabrik Augsburg.

1841 wurde in Nürnberg die Gießerei und Maschinenfabrik Klett & Comp gegründet, die 1873 in Maschinenbau-Actiengesellschaft Nürnberg umbenannt wurde.

1898 fusionierten die beiden Unternehmen zur Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg A.G. Im Jahr 1908 firmierte das fusionierte Unternehmen als Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG, kurz MAN.

Auch die Geschichte von MAN ist mit dem Eisenwerk St. Antony in Oberhausen verbunden, das sich 1808 mit zwei benachbarten Eisenwerken zusammenschloss. Die daraus entstandene Eisenfirma Jacobi, Haniel & Huyssen erhielt 1873 den Namen Gutehoffnungshütte, Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb (GHH). 1921 übernahm GHH den Großteil von MAN und sicherte damit die langfristige Versorgung des Unternehmens mit Kohle, Eisen und Stahl.

Produktion in Nürnberg

Die „Goldenen Zwanziger“ und der Zweite Weltkrieg

MAN begann 1915 in einem kleinen Montagewerk in Lindau am Bodensee mit der Produktion von Nutzfahrzeugen. Nach einer kurzen Kooperation mit dem Schweizer Unternehmen Adolph Saurer AG wurden unter dem gemeinsamen Namen M.A.N.-Saurer Lastwagenwerke leichte Kardan- und schwerere Ketten-Lkw produziert.

Ein Jahr später wurde die Nutzfahrzeugproduktion von Lindau nach Nürnberg verlegt. Im Jahr 1924, während der „Goldenen Zwanziger“, präsentierte MAN den weltweit ersten Fahrzeugdieselmotor mit Direkteinspritzung und neu entwickelte Niederrahmen-Busse. Wenige Jahre später stellte das Werk die ersten dreiachsigen Busse und Trolleybusse her. In den 1930er Jahren entstand der stärkste Dieselschwerlast-Lkw.

MAN-Busse und der Zweite Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die MAN-Werke in Nürnberg und Augsburg mehrfach bombardiert. Das Unternehmen richtete die Produktion auf militärische Erfordernisse aus und stellte hauptsächlich Panzer sowie Busse und Lkw für die Armee her. Gleichzeitig wurden weiterhin einige zivile Nutzfahrzeuge produziert, bis die Produktionsstätten 1944 nahezu vollständig zerstört waren.

Das „Wirtschaftswunder“

1953, zu Beginn des deutschen Wirtschaftswunders, dominierten die sogenannten „Alligatorhauben“-F8-Lkw und -Busse von MAN die Straßen. Zudem versorgte das Werk die Landwirtschaft und Forstwirtschaft mit Traktoren und Dieselmotoren.

Damals wurden in Nürnberg Traktoren, Busse und Lkw gefertigt. Aufgrund des steigenden Produktionsvolumens wurde das MAN-Werk 1955 nach München auf ein neues, größeres Werksgelände verlegt. Am 15. November desselben Jahres lief dort der erste Lkw vom Typ 515 L1 vom Band. 1963 stellte MAN die Traktorenproduktion ein.

1965 fertigte MAN den 100.000. Lkw. Auf den deutschen Straßen dominierten schwere Hauber und „Pausbacke“-Modelle. Die Produktpalette wurde innovativer, und auch das Firmenlogo änderte sich.

Übernahmen und Expansion

In den frühen 1970er Jahren übernahm MAN den deutschen Hersteller Büssing, der Lkw, Omnibusse und Motoren produzierte. Auf dem MAN-Logo erschien der Braunschweiger Löwe, das Wappentier der Büssing-Heimatstadt.

Zusammen mit dem französischen Nutzfahrzeughersteller Saviem und später dem deutschen Autobauer Volkswagen begann MAN Ende der 1970er Jahre mit der Produktion und dem Verkauf leichter Lkw-Modelle. 1978 wurde das Modell MAN 19.280 zum „Lkw des Jahres“ gekürt.

Globalisierung und Internationalisierung

In den 1970er und 80er Jahren expandierte MAN international. Der Konzern organisierte den Vertrieb von Lkw und Bussen in Südafrika, den USA und der Türkei. Produktionsstätten in Österreich kamen durch die Übernahme der Marken ÖAF, Gräf & Stift und Steyr hinzu. Neben geografischer Expansion wurden mit den Modellen G90, M90 und F90 auch leichte, mittlere und schwere Lkw-Serien eingeführt.

Die MAN-Busse wurden im deutschen Salzgitter, einem früheren Büssing-Werk, gefertigt. 2001 übernahm MAN die Premium-Busmarke NEOPLAN.

Ein neuer Meilenstein für das Unternehmen in internationalen Transportlösungen war die Einführung der schweren Lkw-Serien TGX und TGS im Jahr 2007. Der TGX V8 war damals der stärkste Serien-Lkw in Europa.

Innovationen betrafen auch Stadtbusse: Der MAN Lion’s City Hybrid markierte den Start der Serienproduktion und spart dank seines innovativen Hybridantriebs bis zu 25 % Kraftstoff.

2012 übernahm Volkswagen AG MAN. 2016 trat MAN mit der Einführung des TGE in das Transportergeschäft ein und wurde seitdem ein Vollsortimentanbieter.

Elektrifizierung und Digitalisierung

2017 vernetzte MAN alle Lkw mit der offenen Logistikplattform RIO, die eine standardisierte Routenplanung, optimierte Streckenführung und Verwaltung komplexer Fahrzeugflotten ermöglicht.

Durch die Plattform bietet MAN seit 2018 maßgeschneiderte digitale Lösungen, die Kunden Echtzeit-Zugang zu ihren Fahrzeugdaten unabhängig vom Standort ermöglichen. Zudem wurde eine Abteilung für Transportlösungen für E-Mobilitäts-Kunden geschaffen.

Ebenfalls 2018 stellte MAN einen städtischen Elektro-Lkw vor, vollgepackt mit neuen Ideen und innovativen Lösungen. Innerhalb von 18 Monaten wurde er für den innerstädtischen Güterverkehr entwickelt. Zusätzlich führte MAN die neue Generation der Stadtbusse Lion’s City mit neuen Diesel- und Gasmotoren sowie der EfficientHybrid-Technologie ein.

Der Konzern führte auch den weltweit ersten Praxistest des „Platooning“ durch, bei dem zwei oder mehr Lkw elektronisch eng miteinander verbunden sind. Diese Technologie erhöht die Verkehrssicherheit und lässt Lkw nahe hintereinander fahren, was den Luftwiderstand reduziert und den Kraftstoffverbrauch senkt. Platooning hat zudem das Potenzial, die Kapazität auf Autobahnen zu erhöhen, besonders auf stark frequentierten Güterverkehrsrouten.

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